Angedacht, Andacht, nachgedacht ...

Angedacht, Andacht, nachgedacht ...

Gewiss behütet

Andacht 1. Thessalonicher-Brief

Tessaloniki – die Stadt des Lichtes – war zu Paulus Zeiten wie auch heute eine lebhafte Hafenstadt. Noch immer erinnert der Hadriansbogen mit seiner in Stein gehauenen Plastik an die Judenpogrome vor fast zweitausend Jahren. Menschen mit dem Davidsstern werden von römischen Soldaten nackt durch die Straßen getrieben, als Zeichen der Verachtung und des Sieges. In dieser Stadt missionierte Paulus und pflanzte eine Gemeinde, die es schwer hatte in der rauen Zeit christliche Werte hochzuhalten. Wir leben zwar nicht am Meer, aber auch in unseren Dörfern und Städten gab und gibt es zu allen Zeiten Neid, Missgunst und Hass. Wie gehen wir Christen damit um?

Paulus erklärt im ersten Brief an die Tessalonicher was uns auszeichnen sollte. Schon das in Frieden miteinander leben, stellt mich an manchen Tagen vor eine unüberwindbare Herausforderung. Wie oft gerate ich mit anderen Menschen in Streit und wenn man es sich überlegt, welche Nichtigkeiten dahinter stehen, ist es geradezu lächerlich. Wie viele schlaflose Nächte könnte man sich ersparen, wenn man versuchen würde ehrlich und geduldig miteinander umzugehen. Da ist man gleich auf 180, nur weil etwas herumsteht, was da nicht hingehört. Mit der Energie, die man fürs Anschreien aufbraucht, hätte man es schon längst weggeräumt. So ganz bedacht, klingt das alles vernünftig. Aber wenn wir in den Situationen stehen, dann gelangen wir schnell an unsere menschlichen Grenzen. Da fällt es uns schon leichter Schwachen zu helfen, wirklich? Stehen wir den Außenseitern unserer Klassen und Betriebe zur Seite oder stellen wir uns lieber mit zu denen, die hänselnd auf sie herabschauen? Schließlich will man ja cool sein und nicht auch verachtet und ausgestoßen werden. Oder wer ist schon zu jeder Zeit fröhlich? Es gibt Menschen, die scheinbar ständig ein Lächeln auf den Lippen haben, aber anstatt sie zu bewundern, nerven uns diese grinsenden Fratzen nur. Man kann doch nicht ständig fröhlich sein. Wie viel besser würde es unserer Seele gehen, wenn wir nicht jedes Stolpern als Beweis dafür sehen würden, dass wir bestimmt beim nächsten Mal hinfallen. Sondern fröhlich in der Gewissheit leben würden, dass Gott uns wieder aufhilft.

Und dann steht dort dieser Segenswunsch von Paulus für die Gemeinde in Thessaloniki und für uns heute:

Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
1.Tessalonicher 5,23

Welch eine Befreiung. Wir müssen nicht perfekt sein und dürfen Fehler machen. Aus eigener Anstrengung heraus wäre jede Mühe vergebens, denn nur Gott kann uns durch und durch heiligen. Alles was wir tun können, ist es zulassen und uns wie „Heilige“ verhalten. Dann werden wir auch in den Geboten keine Vorschriften, sondern Selbstverständlichkeiten erkennen. Und noch wunderbarer ist für mich der Zuspruch, dass Gott unseren Geist, unsere Seele und unseren Leib bewahren wird. Damit bleibt unser Denken, Sein und Tun behütet. Wer will uns noch etwas anhaben, wenn der Herrscher über alles uns bewahrt? Als Kind sang meine Mutter mit mir ein Gute-Nacht-Gebet, das auf einem Teller geschrieben über meinem Bett hing:

Weil ich Jesu Schäflein bin,
freu’ ich mich nur immerhin
über meinen guten Hirten,
der mich wohl weis zu bewirten,
der mich liebet, der mich kennt
und bei meinem Namen nennt.

Ich konnte in der Gewissheit einschlafen, dass ich einzigartig behütet bin. Ich wünsche uns diese Erfahrung und dass der Gott des Friedens uns heilige und uns bewahre, damit wir gemeinsam einmal mit Gott feiern können.

Eure Corinna (JG Sosa)

Ausblicke
der Evangelischen Jugendarbeit im Kirchenbezirk Aue

Ausblicke 4/2018

Ausblicke 1/2019

Archiv